Talent Isabel im Porträt

Mit einer eigenen langen Krankenakte studiert Isabel seit September 2018 Medizin in Münster. Ihr Ziel ist es, Kinderärztin zu werden. Mit der Unterstützung von Talentscout Seren Başoğul von der FH Aachen bewarb Isabel sich erfolgreich um ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes.

„MEIN TALENTSCOUT IST JEMAND, DER DEN WEG MIT MIR ZUSAMMEN GEHT“

Mit einer eigenen langen Krankenakte studiert Isabel seit September 2018 Medizin in Münster. Ihr Ziel ist es, Kinderärztin zu werden. Ihr Abitur machte sie im selben Jahr an der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg, nahe der niederländischen Grenze. Mit der Unterstützung von Talentscout Seren Başoğul von der FH Aachen bewarb Isabel sich erfolgreich um ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes.

„Der Haus-und-Klinik-Unterricht hat mich abgelenkt“

Bis zur neunten Klasse ging Isabel auf ein Gymnasium. Mit der Mittleren Reife in der Tasche wechselt sie in die Einführungsphase der Betty-Reis-Gesamtschule. „Das soziale Umfeld hat mir auf der alten Schule nicht gefallen. Auf der neuen Schule habe ich wirklich gute Freunde gefunden“, erzählt sie. Diese ist etwa 50 km entfernt von Haaren, dem Ort wo sie mit ihrem älteren Bruder und ihrer Mutter, die als Beamtin in der Verwaltung einer JVA arbeitet, wohnt. Erst wenige Wochen im Schuljahr erhält Isabel nach medizinischen Untersuchungen die Diagnose Blutkrebs. Die damals 15-Jährige bekommt eine Chemotherapie. Sie wird etwa ein Jahr lang ausschließlich zu Hause oder im Krankenhaus unterrichtet. „Der Haus- und Klinik-Unterricht hat mir sehr geholfen. Das hat mich von der Krankheit abgelenkt. Teilweise haben die Lehrer*innen ihre freie Zeit für mich geopfert. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, erinnert sich Isabel. In ihrer Freizeit spielte sie Gitarre und Klavier, womit sie dann jedoch aufhören musste. Schulisch besteht sie die Einführungsphase und wird versetzt. Unmittelbar vor Beginn der Q1 der nächste Schock: als Nebenwirkung der Therapie hatte sich ein Pilz in ihrer Lunge gebildet, der operativ entfernt werden musste.

Abitur mit Note 1,1

Isabel soll Mitte des zweiten Quartals des Schuljahres Stück für Stück zurück ins schulische Leben integriert werden: „Das hat auch ganz gut funktioniert. Ich musste allerdings zu viele Klausuren nachschreiben. Mir blieb die Wahl, ob ich die Klausuren innerhalb von zwei Wochen nachschreibe oder die Q1 wiederhole.“ Da sie Medizin studieren möchte und dafür sehr gute Noten braucht, beschließt sie, zu wiederholen. Isabel wählt dieses Mal Mathematik, anstelle von Pädagogik, neben Englisch als Leistungskurs: „Pädagogik finde ich wahnsinnig interessant, aber Mathe lag mir einfach besser.“ Wenige Wochen vor Ende des Schuljahres erleidet Isabel einen Rückfall. In der Q2 hat sie wieder zu Hause oder im Krankenhaus Unterricht. Dennoch macht sie ihr Abitur mit der Note 1,1.

„Sobald ich Probleme hatte, konnte ich meinen Talentscout anrufen“

Nachdem Isabel ihre finale Abitur-Klausur geschrieben hat, schlägt ihr Lehrer sie für die Studienstiftung des deutschen Volkes vor. In dem Zusammenhang hört sie auch erstmals vom Programm NRW-Talentscouting. Ins erste Gespräch mit Talentscout Seren geht sie distanziert, aber „sie hat das mit ihrer freundlichen Art überbrückt. Sie stellte sich mir als jemand vor, der meinen Weg mit mir zusammen geht.“ Besonders berührt ist sie davon, dass Seren in ihr „nicht das Mädchen mit Krebs“ sieht. Ihre Interessen und ihr Können stehen im Vordergrund.

Mit ihrem Talentscout bereitet sich Isabel auf das Auswahlverfahren für das Stipendium vor. „Sobald ich dort Probleme hatte, konnte ich Seren anrufen. Sie wusste, was ich durchlaufe und hat mir Mut zugesprochen“, erzählt sie. Schließlich erhält sie das Stipendium der Begabtenförderung. Isabel geht charakterlich gefestigt aus den Gesprächen mit ihrem Talentscout heraus. Denn „ich bin wieder offener gegenüber fremden Menschen. Außerdem kann ich wesentlich besser mit Druck umgehen.“

Volunteer bei der DKMS

Isabel hat sich nicht von Freizeitaktivitäten abhalten lassen. Während ihres ersten Krankenhausaufenthalts lernte sie ein ebenfalls an Leukämie erkranktes Mädchen kennen. Das Mädchen erlitt ebenfalls einen Rückfall. Zu dem Zeitpunkt war Isabel wieder gesund. Darum nutzte sie ihr zuliebe bei einer schulischen Veranstaltung die Gelegenheit, um auf das Schicksal des Mädchens aufmerksam zu machen. Ihr Ziel: die Leute dazu ermutigen, sich als mögliche Stammzellspender bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eintragen zu lassen – erfolgreich. Letztlich findet sich auch ein Spender für das Mädchen. Inspiriert davon arbeitet sie neben ihrem Studium als Volunteer bei der DKMS. Im Juli 2019 hat sie eigenständig ihre erste Typisierung durchgeführt, beim Kult-Festival „Wacken“ im August ihre zweite.

Stand: August 2019

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