Talent Martyna im Porträt

Abi, Intermezzo, Ausbildung – nun Job plus Studium: Martyna studiert neben dem Beruf an der FOM Hochschule in Duisburg Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie. Die Office Managerin im NRW-Zentrum für Talentförderung erzählt, wie sie den Übergang von Schule zu Beruf erlebt hat und wie ein Studienabbruch ihr zu einem Stipendium verhalf.

Mut, Neues auszuprobieren

Schulische Leistungen waren für Martyna selten ein Problem. Darum wechselte sie nach der zehnten Klasse von der Realschule auf die Gesamtschule, wo sie ihr Abitur machte. „Da meine Eltern keinen akademischen Hintergrund haben, konnten sie mir bei der Frage, ob ein Studium oder eine Ausbildung für mich das Richtige ist, nicht wirklich weiterhelfen“, erzählt Martyna. Sie entschied sich für ein Studium an der Universität Duisburg-Essen. Doch bereits im ersten Semester begann sie an ihrer Entscheidung zu zweifeln. „Die Inhalte im BWL-Studium waren spannend. Wirtschaftliche und organisatorische Zusammenhänge zu verstehen, fand ich interessant. Aber an der Uni habe ich mich irgendwie fehl am Platz gefühlt“, erzählt Martyna.

In der Berufsausbildung die Jahrgangsbeste

Sie entschied sich in eine betriebliche Ausbildung zu wechseln. „Ich bereue meine Entscheidung kein bisschen. Mit meiner Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement habe ich etwas worauf ich aufbauen kann. Ihre Ausbildung schloss sie als Jahrgangsbeste ab, wodurch sie ein Stipendium für ein anschließendes Studium erhielt. Martyna orientierte sich allerdings erst einmal beruflich um und bewarb sich als Office Managerin im NRW-Zentrum für Talentförderung.

Von der Ausbildung ins NRW-Zentrum für Talentförderung

„Für mich war das rückblickend auch eine Frage der Sicherheit“, sagt die 26-Jährige. „Das wertschätzende Miteinander hat mich überzeugt. Im NRW-Zentrum für Talentförderung herrscht immer eine positive Atmosphäre sowohl in der Arbeit mit Talenten als auch unter den Mitarbeitenden“, sagt Martyna. „Als meine Vorgesetzten mich nach meinen Stärken und Zielen fragten, war ich ein wenig überrumpelt“, erinnert sich sie an die ersten Tage im neuen Job. Das Team erkannte schnell, dass ihre neue Kollegin ihr Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft hatte.

„Mit der Talentförderung im Rücken hatte ich die Gewissheit, dass ich nicht allein dastehe.“

Auf den Rat ihrer Vorgesetzten sprach Martyna mit Talentscout Stefanie Strozyk von der Westfälischen Hochschule. „Für mich war klar, wenn ich noch mal ein Studium starte, dann neben dem Beruf. Steffi konnte mir da super weiterhelfen, weil sie selber an der FOM ein Studium in Wirtschaftspsychologie absolviert hat“, berichtet Martyna über ihr erstes Talentscouting-Gespräch. „Als sie über ihr Studium erzählte, kam ich ins Grübeln. Wirtschaftspsychologie zu studieren, wäre mir nach der Schule nie in den Sinn gekommen. Die Kombination aus psychologischen Aspekten des Menschen und der Bezug zu wirtschaftlichen Vorgängen, das konnte ich mir wirklich gut vorstellen“, erzählt Martyna begeistert. Die Studienfinanzierung war durch das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung, das sie als Jahrgangsbeste aus ihrer Berufsausbildung mitnehmen konnte keine große Hürde. „Ich dachte mir, wenn ich schon diese Unterstützung habe, probiere ich es. Ich wusste zwar vieles noch nicht, was z. B. die Formalitäten betraf, aber mit der Talentförderung im Rücken hatte ich die Gewissheit, dass ich nicht allein dastehe.“

Genau das Richtige gefunden: ein berufsbegleitendes Studium

Mittlerweile steht Martyna bereits kurz vor ihrem Bachelor-Abschluss. Die Kombination aus Arbeit und Studium gefällt ihr. „Natürlich ist es auch mal anstrengend, nach der Arbeit noch zu Vorlesung zu fahren oder am Wochenende zu lernen statt zu entspannen. Ich kann es mir aber schon gar nicht mehr anders vorstellen“, lacht Martyna. Unterstützung und Bestätigung bekommt sie von ihrer Familie „Meine Eltern erzählen wirklich jedem, dass ich studiere und ein Stipendium habe“, lacht die Bottroperin. „Es ist motivierend, zu wissen, dass auch meine Kolleg*innen sich für mein Studium interessieren und sich zum Beispiel in der Klausurphase erkundigen, wie es läuft“, strahlt sie.

Für ihre Zukunft wünscht sich Martyna, dass sie bald ihr Bachelor-Zeugnis in den Händen halten kann. „Beruflich hoffe ich, dass wir mit unserer Arbeit bewirken können, dass das Talentscouting noch mehr Jugendlichen angeboten wird“, erklärt sie. „Aus eigener Erfahrung weiß ich jetzt, dass es Mut braucht, etwas Neues zu auszuprobieren. Aber es lohnt sich.“

Stand: April 2020

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