Positiver Blick auf Talente überzeugt

Das Geschwister-Scholl-Berufskolleg (GSBK) in Leverkusen kooperiert seit Anfang 2018 mit dem NRW-Talentscouting. Als in der Schule bekannt wurde, dass die Unterstützung von Jugendlichen aus Familien ohne akademische Tradition auch im Kölner Raum angeboten wird, bewarb sich das Berufskolleg umgehend.

„Ich bin dankbar dafür, dass wir als Schule die Chance bekommen haben, am NRW-Talentscouting teilzunehmen. Unsere Schüler*innen profitieren sehr von der individuellen Begleitung“, sagt Franziska Hofsäß, Lehrerin und Koordinatorin des Talentscoutings am Geschwister-Scholl-Berufskolleg. Besonders beeindruckt ist sie vom stärkenorientierten und positiven Blick der Talentförderung, der mehr als Schulnoten sieht. 

Ein Interview mit Franziska Hofsäß, Lehrerin und Koordinatorin des Talentscoutings am Geschwister-Scholl-Berufskolleg in Leverkusen

Sie sind bereits seit 2013 Lehrerin am Geschwister-Scholl-Berufskolleg in Leverkusen. Was zeichnet Ihre Schule aus? 

Unsere Schule ist mit ungefähr 1.500 Schüler*innen recht groß und mit den Abteilungen Soziales, Gesundheit und Ernährung sowie Technik breit aufgestellt. Von der Ausbildungsvorbereitung bis zum Abitur können die Schüler*innen viele unterschiedliche Angebote im GSBK wahrnehmen. Unser Einzugsgebiet liegt um Leverkusen, wo es auch einige soziale Brennpunkte gibt. Insgesamt ist unsere Schüler*inschaft jedoch durchmischt, was den Unterricht und das Talentscouting sehr interessant macht.

Wieso interessieren Sie sich für die Talentförderung NRW? 

Ich finde den Blickwinkel der Talentförderung auf Schüler*innen super; die positive stärkenorientierte Sicht auf Schüler*innen gefällt mir sehr. In einem Job, in dem man jungen Menschen Noten für Leistungen geben muss, die oft eher die Schwachstellen darlegen, ist gerade das Talentscouting ein guter Ausgleich. Der Blick der Talentförderung bezieht auch die Leistungen von jungen Menschen in ihrem Lebenskontext ein. Das hat mich von der Talentförderung überzeugt.

Talentförderung beginnt beim Erkennen und Identifizieren von Talenten. Kompetenzen, Wissen und Handwerkzeug für Talentfördernde vermittelt das NRW-Zentrum für Talentförderung in Qualifizierungen und Workshops. Sie haben an dem Praxisworkshop Talentförderung teilgenommen. Konnten Sie daraus etwas für sich und Ihre Arbeit mitnehmen? 

Die kollegiale Zusammenarbeit im Praxisworkshop empfand ich als sehr bereichernd. Ich koordiniere das Talentscouting an unserer Schule zusammen mit einem Talentscout der TH Köln. Im Praxisworkshop habe ich erfahren, wie andere Schulen das Programm umsetzen und sich vernetzen. Ebenfalls ist das Thema Stipendien stärker in das Bewusstsein unserer Schule gerückt. Ich finde es sehr wichtig, dass Stipendien auch an Berufskollegs eine viel größere Rolle spielen. Schließlich haben wir pro 40 Schüler*innen, die das Fach- oder Vollabitur machen, Gelegenheit, eine Person bei der Studienstiftung des deutschen Volkes zu empfehlen.

Wie kommt das NRW-Talentscouting bei den Schüler*innen und im Kollegium an?

Anfangs sind die Schüler*innen immer eher zurückhaltend, weil sie nicht wirklich wissen, was sie mit dem Programm anfangen sollen. Sie sehen sich meistens nicht als Talent. Sobald sie das Talentscouting kennengelernt haben, sind sie sehr begeistert und häufig viel engagierter im Unterricht, denn sie erkennen, was sie können. Die Listen sind immer so schnell voll, dass wir leider nicht allen einen Termin geben können. Ein paar Kolleg*innen standen dem Talentscouting anfangs vorsichtig gegenüber. Inzwischen bekomme ich ausschließlich positive Resonanzen und das Programm findet guten Anklang. Ich hätte unseren Talentscout am liebsten jeden Tag an unserer Schule. Er kommt aktuell einmal im Monat für Beratungsgespräche mit den Talenten ins GSBK. Die Talente können sich aber auch immer zusätzlich zu den regulären Terminen bei Herrn Jares melden. 

Gibt es Talente, die Sie besonders beeindrucken?

Eine Schülerin, die bei mir Fachabitur gemacht hat, ist mir besonders im Kopf geblieben. Sie ist sehr engagiert und sympathisch, die Verhältnisse, denen sie entstammt, sind sehr herausfordernd. Ich habe sie zwei Jahre zusammen mit dem Talentscout begleitet. Wann immer Herr Jares in unserer Schule war, hat sie die Gelegenheit für ein Gespräch mit ihm ergriffen. Das war echt der Wahnsinn. Sie hat eine ganz tolle Entwicklung durchlaufen und wird jetzt in Köln studieren. Die Talentförderung hat sie dabei unterstützt, an sich selbst zu glauben.

Was wollen Sie allen Schüler*innen mit auf den Weg geben?

Die Schüler*innen und Talente sollen immer an sich selbst glauben und nie ihre Hoffnung aufgeben. Sie sollen alles dafür tun, ihre Ziele und Träume zu verfolgen und zu verwirklichen. Der persönliche Kontakt zu den jungen Menschen bereitet mir sehr viel Freude. Es ist schön ihre Entwicklungen zu sehen und sie ein Stück auf ihrem Weg zu unterstützen. Leider erreiche ich dabei noch nicht alle, aber doch viele.

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