Anna Mengede ist neu im Team des TalentKolleg Ruhr Gelsenkirchen

Große Schritte wagen – Anna Mengede gibt ihre Erfahrungen an Talente weiter

Anna Mengede hat sich ihren Bildungsaufstieg hart erarbeitet. Sowohl ihren Wechsel auf das Gymnasium als auch ihr Studium im Ausland organisierte sie von Grund auf selbst. Ihre dabei gesammelten Erfahrungen gibt die gebürtige Marlerin heute im TalentKolleg Ruhr Gelsenkirchen in Beratungsgesprächen und Qualifizierungskursen an junge Talente weiter. Um diese zu motivieren, ebenfalls große Schritte zu wagen.

Anna, heute hast du einen Masterabschluss, angefangen hast du aber auf der Realschule. Wie sah dein Bildungsweg aus und wer hat dich dabei unterstützt?

Anna Mengede: Nach dem Abschluss der zehnten Klasse auf der Realschule wollte ich unbedingt mein Abitur machen. Ich wusste noch nicht genau, wie meine Zukunft aussehen sollte, war mir aber sicher, dass mir das Abitur noch mehr Möglichkeiten eröffnen würde. Meine Eltern haben beide kein Abitur und kannten sich nicht so gut mit dem Bildungssystem aus, also habe ich mich selbst informiert, wie der Wechsel auf ein Gymnasium gelingt. Als ich dann auf dem Gymnasium war, gab es Kurse für Schüler*innen, die von der Realschule gewechselt sind. In Englisch und Deutsch hatte ich keine Probleme, aber in Mathe war das eine große Unterstützung.

Und nach dem Abitur stand für dich direkt fest, dass du studieren möchtest?

AM: Mein Vater arbeitet in einem Chemiepark und hätte sich gefreut, wenn ich dort eine Ausbildung gemacht hätte, das galt als eine sichere Arbeitsstelle. Was ich später alles mit einem Uni-Abschluss – insbesondere in Geistes- und Sozialwissenschaften – anfangen könnte, davon hatten meine Eltern keine Vorstellung. Ich habe mich trotzdem für ein Studium entschieden – wie auch meine Geschwister – und so sind wir die ersten Akademiker*innen unserer Familie. Ich habe in Münster mein Bachelorstudium in Soziologie und Anglistik/Amerikanistik abgeschlossen. In der Zeit habe ich ein Auslandssemester in Kanada gemacht, mit Unterstützung eines Stipendiums. Das war so eine tolle Erfahrung, dass ich mich entschied, meinen Master im Ausland zu absolvieren. Ich hatte schon seit meiner Jugend eine Faszination für Großbritannien, insbesondere für die Musikszene und die diverse Gesellschaft. Ich war dann auch öfter in England und Schottland im Urlaub und habe mich dort immer wohl gefühlt. So bin ich schließlich an der University of Leeds in England gelandet. Dort habe ich meinen Master gemacht und mich vor Ort in einem Community Centre engagiert, wodurch ich viele „locals“ kennengelernt habe.

Was hast du in Leeds studiert und wie bist du von dort zum TalentKolleg Ruhr gekommen?

AM: Ich habe meinen Master in Sozialwissenschaften gemacht, mit einem Schwerpunkt auf Bildungsungleichheiten. Ich wollte Schüler*innen, insbesondere aus Nichtakademikerfamilien, dabei unterstützen, den Bildungsaufstieg zu schaffen. Bei meinen Recherchen bin ich auf den Bereich Talentförderung gestoßen und konnte mich direkt damit identifizieren. So bin ich auf das TalentKolleg Ruhr aufmerksam geworden. Nach meinem Abitur wollte ich unbedingt raus aus dem Ruhrgebiet, aber heute finde ich es schön, wieder hier zu sein. Mir war es zudem wichtig, direkt mit Menschen zu arbeiten. In Beratungsgesprächen kann ich meine Erfahrungen an Talente weitergeben, insbesondere zu Auslandsaufenthalten, sowohl während als auch nach der Schulzeit und zum Studieren im Ausland. Dazu gebe ich noch Qualifizierungskurse in Englisch. Gerade vor dem Hintergrund meiner eigenen Bildungsbiografie finde ich es total bereichernd, wenn ich Talente dazu motivieren kann, einen Schritt zu wagen, den sie sich vielleicht zuerst nicht zutrauen. Entweder ins Ausland zu gehen, oder einen Bildungsabschluss anzustreben, für den sie keine Vorbilder in ihrem Umfeld haben. Da denke ich zurück an meine eigene Schulzeit und wie sehr mir so eine Unterstützung geholfen hätte.

Das TalentKolleg Ruhr in Gelsenkirchen ist im Oktober 2021 an den Start gegangen, du hast also die ersten Schritte miterlebt. Was war das für eine Erfahrung?

AM: Nach meinem Masterabschluss habe ich zunächst ein sechsmonatiges Praktikum bei einer internationalen Organisation gemacht, im Anschluss habe ich beim TalentKolleg Ruhr in Gelsenkirchen angefangen. Das hier sind also auch meine ersten Schritte in der Talentförderung. Momentan absolviere ich noch die Weiterbildung zum zertifizierten NRW-Talentscout. Dass ich dabei mitwirken kann, das TalentKolleg aktiv aufzubauen, finde ich motivierend und aufregend. Ich habe bereits meine ersten Qualifizierungskurse gegeben und dabei bemerkt, wie wichtig das Thema Ausland für viele Talente ist. In dem Kontext habe ich bereits die Veranstaltung Business English in Practice gegeben. Wir arbeiten eng mit dem TalentKolleg in Herne zusammen, die schon viele Jahre an Erfahrung mitbringen und unser Team in Gelsenkirchen unterstützen. Wir sind im ständigen Austausch mit dem Herner Team und den Kolleg*innen im NRW-Zentrum für Talentförderung. Dieses Netzwerk ist wirklich etwas Besonderes!

Stand: März 2022

Weitere Informationen zu den TalentKollegs Ruhr der Westfälischen Hochschule finden Sie hier.

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