Wer ist eigentlich dieser Talentscout?

Unter dem Motto „Talentscouting Köln“ arbeiten die Talentscouts der Technischen Hochschule Köln eng mit dem Talentscouting-Team der Universität zu Köln zusammen. Gemeinsam mit Talenten Zukunftsperspektiven zu entwickeln und individuell passende Bildungswege mitzugestalten ist ein spannender Prozess, findet Thiemo Jares. Seit 2017 ist er Talentscout. Der Weg zum studierten Sozialarbeiter war für den gebürtigen Duisburger nicht ganz geradlinig. Am Anfang stand ein mittelmäßiger Hauptschulabschluss. Diese Erfahrungen möchte Thiemo aber nicht missen. In der Beratung von jungen Talenten könnten sie sogar manchmal von Vorteil sein.

Im Gespräch mit Thiemo Jares, NRW-Talentscout und Programmkoordinator an der TH Köln

Wie und warum bist du Talentscout geworden?

Ich habe damals durch einen Fernsehbeitrag von dem Programm erfahren. Mich hat der offene und niederschwellige Ansatz fasziniert. Lehrer*innen schlagen besonders engagierte und motivierte Schüler*innen für ein Erstgespräch vor. Viele kommen aus Eigeninitiative zum Talentscouting, weil sie ihre Zukunft in die Hand nehmen und gestalten möchten. Diese Motivation imponiert mir sehr, da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig es sein kann, die eigenen Talente zu erkennen und den individuell passenden Weg für sich zu finden. Ich komme aus einer klassischen Nichtakademikerfamilie. Berufliche Perspektiven waren bei uns selten ein Thema, die Möglichkeiten unseres Bildungssystems nicht bekannt. Bis ich mein Fachabitur an einem Berufskolleg für Sozial- und Gesundheitswesen gemacht hatte, dauerte es eine Weile: Hauptschulabschluss, ein Jahrespraktikum als Industrieelektroniker und dann der Realschulabschluss an der Volkshochschule. Mit Jugendlichen gemeinsam an ihrer Zukunft zu feilen, das macht mir einfach Spaß.

Inwiefern spielt dein eigener beruflicher Weg in der Arbeit mit jungen Talenten eine Rolle ?

Es kommt darauf an, wer vor mir sitzt. Als Talentscout schaue ich, wie und wann ich meine Biografie methodisch einsetze. Meine eigenen Erfahrungen helfen mir, mich in Situationen hineinzuversetzen. Phasen, in denen man Orientierung braucht, kenne ich. Wenn es angebracht ist, erzähle ich Talenten meinen beruflichen Werdegang. Manche bestärkt das und sie sehen, dass es möglich ist, die eigene Zukunft zu gestalten. Andere haben schon so klare Vorstellungen und wissen genau, was sie beruflich machen möchten, da geht es dann verstärkt darum, wie genau sie ihre Ziele erreichen können.

Im NRW-Zentrum für Talentförderung hast du die Qualifizierung zum zertifizierten NRW-Talentscout durchlaufen. Wie hat sich dein Blick auf Jugendliche dadurch verändert?

Er hat sich geschärft. Die Qualifizierung hat mir u. a. deutlich gemacht, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, um Talente bestmöglich beraten und unterstützen zu können. Sehr hilfreich dabei ist auch der Austausch mit meinen Talentscout-Kolleg*innen, die viele  unterschiedliche berufliche Hintergründe haben: BWL, Soziologie, Pädagogik, um nur einige zu nennen. Die sich daraus ergebenden differenzierten Sichtweisen sind extrem spannend und die Netzwerke im beruflichen Alltag sehr hilfreich.

Das Talentscouting-Team Köln findet Talente nicht nur in den Oberstufen von Berufkollegs, Gesamtschulen und Gymnasien, sondern auch in einem Kölner Jugendzentrum. Wie kam es dazu?

Wir haben das Talentscouting in einem Pilotprojekt, mit einer Anpassung, auf den non-formalen Bildungsbereich ausgeweitet. Einmal im Monat ist meine Kollegin Amal Abdirahman zur Beratung in einem queeren Jugendzentrum in Köln. Die Jugendlichen dort sind etwas älter als in Jugendzentren üblich und am Übergang zwischen Schule – Berufsausbildung – Hochschule, oder sie machen schon eine Ausbildung oder studieren. Sich seiner Identität bewusst zu werden, ist für jeden Jugendlichen ein Thema, wir kennen das bestimmt alle. Für Jugendliche, die sich als nicht-heterosexuell identifizieren, kann dieser Prozess aber länger dauern und durch eine manchmal geringere Akzeptanz im sozialen Umfeld viel Kraft kosten. Hier gilt es, Mut zu machen, zu bestärken und Wege aufzuzeigen. 

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