Kann die Jugend mit Leistung noch aufsteigen? Yale-Professor Daniel Markovits zu Gast beim ersten „TalentTalk“

Mit einer guten Ausbildung, Disziplin und harter Arbeit beruflich und sozial aufsteigen, unabhängig vom Elternhaus: Diese fundamentale Grundlage demokratischer Gesellschaften ist in den USA längst eine Illusion. Zu diesem eindringlichen Ergebnis kommt Prof. Dr. Daniel Markovits von der Elite-Universität Yale. Im voll besetzten NRW-Zentrum für Talentförderung in Gelsenkirchen gab der Autor des Welt-Bestsellers „The Meritocracy Trap“ über 120 jungen Menschen einen tiefen Einblick in die Schattenseiten der modernen Leistungsgesellschaft.

In seinem Vortrag zeichnete Markovits ein deutliches Bild der schleichenden Abschaffung des amerikanischen Traums. Über die Hälfte der heutigen Führungspersönlichkeiten in der US-Wirtschaft, im Finanzsektor und in Regierungsämtern stammt aus lediglich 12 Elite-Universitäten. Die dafür notwendigen finanziellen Mittel können heutzutage fast ausschließlich sehr vermögende Familien aufbringen. Diese gravierenden Unterschiede bei den Investitionen in die Bildung des Nachwuchses verfestigen Privilegien in einer Form, die es zuletzt in der Aristokratie gab. Der US-Forscher warnte davor, dass vergleichbare Entwicklungen auch in anderen Gesellschaften drohen, wenn der Zugang zu Spitzentraining, Ressourcen und exklusiven Netzwerken primär einkommensstarken Schichten vorbehalten bleibt.

Der Besuch in Gelsenkirchen diente jedoch nicht nur der theoretischen Debatte. Prof. Daniel Markovits nutzte die Gelegenheit, um die viel beachteten Erfolge der NRW-Talentförderung hautnah kennenzulernen und sich mit geförderten Jugendlichen auszutauschen. Beeindruckt zeigte sich der US-Forscher insbesondere von der erreichten Größenordnung der breitenwirksamen Talentförderung in Nordrhein-Westfalen und den Zuwächsen von Talenten aus weniger privilegierten Verhältnissen im Bereich der Exzellenzförderung. „Was in der NRW-Talentförderung geschafft wird, hat mir sehr imponiert. Die Fragen der jungen Menschen an diesem Abend waren unglaublich schlau und man hat den Optimismus gespürt. Ich bin überzeugt, dass das, was hier passiert, zu dem Besten gehört, was die Menschheit hervorbringen kann!“

Hilke Birnstiel und Marcus Kottmann, die das NRW-Zentrum für Talentförderung leiten, unterstrichen im Rahmen des Austauschs das Grundprinzip ihrer Arbeit: „Kern der NRW-Talentförderung ist eine individuelle Förderung von jungen Menschen auf Basis erbrachter Leistungen innerhalb und außerhalb von Bildungsinstitutionen einerseits und unter Berücksichtigung individueller Lebensumstände andererseits. Darauf aufbauend geht es darum, Zugänge und Gelegenheiten für das Training von Fähigkeiten und den Erwerb von Kompetenzen auf einem Niveau zu eröffnen, die eine Entfaltung von vorhandenen Potenzialen ermöglichen.

Die hochkarätig besetzte Veranstaltung bildete zugleich den Auftakt der neuen Reihe „TalentTalk“, mit der das NRW-Zentrum für Talentförderung künftig regelmäßig gesellschaftspolitische Schlüsselthemen zur individuellen Förderung junger Generationen aufgreifen wird.

Datum: 06.11.2026

 

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