„Talentförderung ist ein Wow-Erlebnis für Jugendliche“

„Als Gesamtschule sind wir eine Schule für alle Kinder“, sagt Sahibe Mankoc, Lehrerin für Deutsch, Pädagogik und Türkisch an der rund 1000 Schüler*innen starken Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule in Gladbeck. „Menschen unterschiedlicher Herkunft und Weltanschauung, mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Potenzialen prägen unsere Gesellschaft und finden sich auch in unserer Schule wieder.“ Seit Beginn der Talentförderung im Ruhrgebiet nimmt die Schule Angebote für Talente wahr: „Die Talentförderung ist ein tolles Förderprogramm! Wir als Schule möchten unseren Schüler*innen etwas bieten. Mit dem Schülerstipendium RuhrTalente ab der Sekundarstufe I und dem Talentscouting in der Oberstufe haben wir zwei tolle Fördermöglichkeiten.“  

Ein Interview mit Sahibe Mankoc, Lehrerin für Deutsch, Pädagogik und Türkisch an der Ingeborg Drewitz Gesamtschule in Gladbeck

Frau Mankoc, Sie fragen gern im Unterricht: "Haben wir Talente hier im Kurs?" Wie reagieren Ihre Schüler*innen darauf?

Meist mit Gelächter. Viele unserer Schüler*innen glauben nicht an sich. „Ich bin kein Talent. Ich habe doch gar keine Talente.“ Ich als Fachlehrerin und die Beratungslehrer*innen sprechen die Schüler*innen immer direkt an und empfehlen ihnen eine Bewerbung für das Schülerstipendium RuhrTalente oder die Beratung durch einen Talentscout. Die Erfahrung zeigt, dass nur wenige von sich aus den Schritt wagen. Viele Talente glauben nicht an ihre eigenen Stärken und brauchen einen Stupser. Man muss ihnen zeigen, dass man an sie glaubt. Alle, die bisher Angebote der Talentförderung wahrgenommen haben, wollen das auch weiterhin tun. In den Talentscouting-Gesprächen erhalten die Jugendlichen Bestätigung und Orientierung. Sie wissen häufig vorab nicht, wie es für sie nach der Schule weitergehen kann und schmieden zusammen mit ihrem Talentscout Zukunftspläne. Sie sind dankbar, dass es jemanden gibt, der sich Zeit nimmt, ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht, Optionen und Möglichkeiten aufzeigt und ihnen Mut macht, auch mal neue, oft unbekannte Wege zu gehen. Wenn die Talentscouting-Gespräche einmal im Monat bei uns in der Schule oder, aufgrund der Pandemie, online anstehen, ist das jedes Mal ein Highlight. Viele Jugendliche haben darüber hinaus außerhalb der Schule Kontakt mit unserem Talentscout Laura Estner von der Westfälischen Hochschule und nehmen an Workshops aus der Talentförderung teil. Ich glaube, die Schüler*innen können sich den Talentscouts mehr öffnen als uns, den Lehrkräften, die sie benoten. 

Die Ingeborg Drewitz Gesamtschule ist seit Beginn der Talentförderung Kooperationsschule. Wieso?

Die Talentförderung spielt bereits seit 2016 für uns eine große Rolle. Unsere Schule ist dem Standorttyp der Stufe 5 zugeordnet. Das bedeutet, dass wir einige unterschiedliche Herausforderungen zu meistern haben. Wir möchten unseren Schüler*innen etwas bieten. Mit dem Schülerstipendium RuhrTalente ab der Sekundarstufe I und dem Talentscouting in der Oberstufe können wir zwei tolle Fördermöglichkeiten wahrnehmen. Wir ermutigen unsere Talente stets, sich für ein Stipendium bei den RuhrTalenten zu bewerben und unterstützen die Schüler*innen gerne in ihrem Bewerbungsprozess mit einem Gutachten. Die Schüler*innen, die für das Stipendium ausgewählt wurden, ermuntern wir immer wieder, im Unterricht von ihren Erfahrungen zu berichten. Wenn die Talente erzählen, dass sie an politischen und/oder kulturellen Workshops teilgenommen und sich selbst und ihre Ziele besser kennengelernt haben oder sogar nach England fliegen durften, um an einem Sprachkurs teilzunehmen, entwickelt das enorme Strahlkraft, die auch Mitschüler*innen motiviert. Talentförderung ist dann ein regelrechtes Wow-Erlebnis für die Jugendlichen. Wenn sie dann noch erzählen, dass sie aufgrund der Pandemie einen Laptop erhalten haben, um so am Homeschooling teilnehmen zu können, eskaliert die Klasse förmlich – und zwar im positiven Sinne. Die Begeisterung ist groß und die Schüler*innen, die nicht im Programm sind, können das gar nicht glauben und fragen: „Was? So etwas gibt es?“. Wir als Kollegium sind überzeugt von dem Schülerstipendium RuhrTalente und dem NRW-Talentscouting und dankbar, dass wir die Angebote wahrnehmen können.

Wer hat Sie in der Jugend gefördert?

Damals wusste ich noch nicht genau, ob ich nach dem Abitur studieren oder eine Berufsausbildung anfangen soll. Meine Mutter überzeugte mich etwas Bodenständiges zu studieren, ich sollte doch Lehrerin werden. Der Gedanke gefiel mir und ich begann nach dem Abitur auf Lehramt zu studieren. Da meine Eltern beide berufstätig waren, war ich auf mich selbst gestellt. Hausaufgaben musste ich alleine machen. Meine Familie freut sich natürlich, dass ich es auch ohne große Unterstützung so weit gebracht habe. Meine Entscheidung, Lehrerin zu werden, bereue ich heute keineswegs.

Was motiviert Sie an Ihrer Arbeit in der Schule?

Natürlich der Kontakt zu den Kindern und den Jugendlichen. Wir haben sehr viele Schüler*innen mit Migrationshintergrund an unserer Schule. Meine Familie stammt aus der Türkei und hat zum Teil auch eine akademische Tradition. Ich möchte unseren Schüler*innen gern als Vorbild dienen und sie stärken, an sich zu glauben und sie auf ihrem selbstbestimmten Weg begleiten. Ich liebe meinen Beruf.

 

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