Talent Mahmoud im Porträt

„Die ersten Wochen meiner Ausbildung waren eine Umstellung für mich“, erzählt Mahmoud. Seit eineinhalb Jahren macht er eine Berufsausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger in einem Krankenhaus in Mülheim an der Ruhr, die ihm sehr gut gefällt.

BEWUSSTE ENTSCHEIDUNG ZUR INDIVIDUELL PASSENDEN BERUFSAUSBILDUNG

„Die ersten Wochen meiner Ausbildung waren eine Umstellung für mich“, erzählt Mahmoud, „Wenn ich Frühschicht habe, dann muss ich um 6:00 Uhr auf der Station sein, das heißt für mich zwischen 4:00 und 4:30 Uhr aufstehen.“ Mahmoud macht seit eineinhalb Jahren eine Berufsausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger in einem Krankenhaus in Mülheim an der Ruhr, die ihm sehr gut gefällt: „Man lernt viel über den menschlichen Körper und natürlich auch über den Umgang mit Menschen“, sagt er. Der 21-jährige Essener ist in Katernberg, im Norden der Stadt, aufgewachsen und wohnt dort im Haus seiner Eltern. Zu seiner Ausbildung pendelte er zunächst mit der Bahn, dann mit dem eigenen Auto, das er sich selbst finanziert hat. Mahmoud hat noch vier Brüder, seine Eltern stammen aus Gaza. Er ist zweisprachig aufgewachsen und spricht Arabisch und Deutsch. In den Achtzigerjahren, kurz vor der Wende, kam sein Vater in die damalige DDR, um sich beruflich weiterzubilden.

Motiviert in der Oberstufe

Mahmoud war nicht immer ein guter Schüler. „In der Grundschule war ich nicht sehr fleißig“, erzählt er, „deshalb bekam ich eine Hauptschulempfehlung.“ Seine Eltern wollten aber, dass ihr Sohn mehr Möglichkeiten bekommt und so ging Mahmoud auf die Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Essen, wo seine Leistungen von Jahr zu Jahr besser wurden. „Hätte ich mich öfter mal hingesetzt und mehr getan, dann wäre ich schneller noch besser gewesen“, überlegt er. Die Oberstufe hat Mahmoud in guter Erinnerung. Über größere Zusammenhänge nachzudenken macht Mahmoud Spaß. Besonders die Naturwissenschaften liegen ihm. In der elften Klasse lernte er seinen Talentscout Cahit Bakir von der Westfälischen Hochschule kennen. Mahmoud fiel ihm bei einer Informationsveranstaltung in der Schule auf, da er interessiert war und viele Fragen stellte.

Orientieren, informieren, sprachliche Fähigkeiten ausbauen

Seitdem ging Mahmoud in regelmäßigen Abständen in die Sprechstunden, die sein Talentscout an seiner Schule anbot. „Ich wusste zuerst nicht, was mich erwartet, war aber neugierig. Nach einem ersten Kennenlernen haben wir uns viel über meine beruflichen Wünsche unterhalten, was ich mag und kann und wie ich mir die Zeit nach der Schule vorstelle. Ich hatte von Anfang an klare Vorstellungen, ich möchte Medizin studieren.“ Cahit empfahl ihm Informationsveranstaltungen und stellte Kontakte her zu anderen Talenten und Medizinstudierenden, damit Mahmoud sich besser vorstellen konnte, wie der Studienalltag im Fach Medizin aussieht. Um seine sprachlichen Fähigkeiten weiter zu verbessern, empfahl er ihm Qualifizierungskurse am TalentKolleg Ruhr in Herne. Mahmoud nahm die Gelegenheit wahr und belegte dort freiwillig Kurse nach dem Schulunterricht. „Der Austausch mit anderen Talenten und die Deutschkurse im TalentKolleg Ruhr waren sehr wichtig für mich, das hat mir wirklich viel gebracht hinsichtlich meiner schulischen Leistungen und meiner Vorstellungen vom Medizinstudium“, sagt Mahmoud. Die Termine mit seinem Talentscout haben ihn zusätzlich motiviert und seine Noten wurden immer besser.

Ein Lehrer fragte ihn, ob er ehrenamtlich Nachhilfe in Mathematik geben möchte. „Da habe ich nicht lange überlegt und zugesagt“, erzählt Mahmoud. „Ich engagiere mich gerne, auch meine Eltern sind in der Flüchtlingshilfe aktiv. Ich habe ihnen oft geholfen und Neuzugewanderte unterstützt, wenn es darum ging zu übersetzen und Behördenangelegenheiten zu erklären. Für mich ist so ein Engagement selbstverständlich und kein großes Ding.“

Ein Ziel vor Augen

Sein Abitur bestand Mahmoud mit einem Schnitt von 2,0 und war damit sehr unzufrieden: „Ich hatte die Mathe-Klausur verhauen und in Geschichte eine Drei. In beiden Fächern stand ich vorher auf Eins.“ Mahmoud war enttäuscht, er wollte gerne Medizin studieren und bekam mit seinem Notendurchschnitt keinen Studienplatz. Im Talentscouting hatte er sich zuvor aber Alternativen überlegt und mit seinem Talentscout zusammen Pläne geschmiedet, wie sein Weg aussehen könnte, sollte es mit dem Studienplatz nicht sofort klappen. Mahmoud entschied sich bewusst für die Berufsausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger: „Die Ausbildung im Krankenhaus ist super interessant, wenn ich damit fertig bin, habe ich gute medizinische und pflegerische Kenntnisse, die mir den Start in ein Studium bestimmt erleichtern. Ich werde mich auf jeden Fall nochmal um einen Studienplatz in Medizin bewerben. Und wer weiß, vielleicht eröffne ich irgendwann meine eigene Arztpraxis im Fachgebiet Kindermedizin oder HNO."

Stand: Februar 2020

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