Talent Miguel im Porträt

Miguel machte seine Mittlere Reife mit einem sehr guten Durchschnitt, war jahrgangsbester Abiturient an der Gesamtschule Horst in Gelsenkirchen und absolviert heute einen Zwei-Fach-Bachelorstudiengang in Medien- und Kulturwissenschaften und Medienmanagement. Über Umzüge, finanzielle Absicherung und wie Zweifel motivieren können.

„Ein Stipendium war für mich sehr fern“

Miguel musste während seiner Schulzeit mehrfach umziehen. Dennoch machte er seine Mittlere Reife mit einem sehr guten Durchschnitt, war jahrgangsbester Abiturient an der Gesamtschule Horst in Gelsenkirchen und absolviert heute einen Zwei-Fach-Bachelorstudiengang in Medien- und Kulturwissenschaften und Medienmanagement. Zudem ist er Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung. Über Umzüge, finanzielle Absicherung und wie Zweifel motivieren können.

Miguel lebte lange bei seiner Mutter, was viele finanziell bedingte Umzüge mit sich brachte. Infolgedessen besuchte er diverse Schulen. Auf einer Realschule in Niedersachsen fiel ihm der soziale Anschluss nicht leicht. Die 6. Klasse musste er wiederholen. Auf dem Weg zum Abschluss bekam er öfter zu hören, dass er nicht das Zeug dazu habe, Abitur zu machen. „Das waren Schlüsselmomente“, wie Miguel heute findet, und für mich der Ansporn, mich mehr anzustrengen.“ Anschließend schafft er es, seine schulischen Leistungen zu steigern. Im Jahr 2010 veränderte sich viel für den heute 25-Jährigen. In diesem Jahr zog Miguel von seiner Mutter zu seinem Vater nach Gelsenkirchen. Ein Jahr später macht er seinen Realschulabschluss mit einem Durchschnitt von 1,1. Auf der Realschule entdeckte Miguel außerdem, dass ihm soziales Engagement Spaß macht. Er war erstmals Mitglied der Schülervertretung. „Ich hatte mich dann bei mehreren Schulen beworben und bekam mehrere Zusagen. Das war ein tolles Erfolgserlebnis für mich.“ Voller Selbstbewusstsein hat Miguel das nächste Ziel vor Augen: ein gutes Abitur abschließen. Er war erfolgreich. Auf der Gesamtschule Horst in Gelsenkirchen ist er jedes Halbjahr erneut Jahrgangsbester und bestand sein Abitur mit einem Durchschnitt von 1,1.

Mit finanzieller und ideeller Förderung ins Studium

Ein Lehrer empfahl ihm, einen Termin mit dem NRW-Talentscouting zu vereinbaren, da er Miguels Chancen für ein Stipendium als sehr hoch bewertete. „Ich wollte unbedingt studieren. Aber ich wusste damals nicht mal, wie ich einen Bafög-Antrag ausfülle oder dass man mit einem Stipendium auch ideell gefördert wird.“ Bei seinem ersten Gespräch mit seinem Talentscout wurden Miguels Erwartungen „bei Weitem übertroffen.“ Vor allem die verschiedenen Begabtenförderungswerke für ein mögliches Stipendium waren ihm neu. In den folgenden Gesprächen suchten die beiden eine passende Stiftung für Miguel. Solidarität, Partizipation und die Unterstützung weniger privilegierter Familien sind Miguel wichtig. Er ist politisch interessiert, fühlt sich aber keiner Partei zugehörig. Letztlich bewarb er sich erfolgreich bei der Hans-Böckler-Stiftung. „Mein Talentscout hat mir nicht nur geholfen, meine Gedanken zu sortieren, sondern auch den Ablauf des Bewerbungsprozesses transparent zu gestalten. Als hätte mich eine große Schwester, die das Prozedere kennt, an die Hand genommen.“

Vorteil Ehrenamt

Sein Talentscout führte Miguel außerdem vor Augen, was er leistet und dass das keineswegs selbstverständlich ist.Sein ehrenamtliches soziales Engagement war ein großer Vorteil bei der Bewerbung um ein Stipendium. Nach der Schule etablierte er sich als Vorstandsmitglied bei der Jugendpresse Rheinland e. V., der junge Journalist*innen aller Art auf ihren Wegen begleitet und ihnen entsprechende Seminare anbietet. Zudem arbeitet er ehrenamtlich an Projekten rund um die Themen Medienpädagogik, Jugendförderung und Jugendbildung für die Städte Köln und Gelsenkirchen mit.
Miguel interessiert sich sehr für die Medienlandschaft und journalistische Arbeit. Seit er vierzehn Jahre alt ist, arbeitet er in diesem Bereich. Er machte Praktika und verfasste Beiträge unter anderem bei RTL, Radio Köln und dem WDR. 2015 startete er dann finanziell abgesichert und einem immer größer werdenden Netzwerk im Rücken, sein Studium. Er entschied sich für einen Zwei-Fach-Bachelor in Medien- und Kulturwissenschaften und Medienmanagement. Derzeit schreibt er an seiner Bachelorarbeit über das Frauenbild in deutschen Medien, speziell in Reality-TV-Shows.

Stand: Dezember 2020

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