Talent Milad im Porträt

Milads Eltern waren zunächst skeptisch, als sie hörten, dass er in Osnabrück studieren möchte. Ob es nichts gebe, das er in Bochum studieren könne, fragten sie ihn. Mehr noch als die Finanzierung eines Studiums in einer anderen Stadt bereitete ihnen die räumliche Trennung Sorge.

„Mein Talentscout ist für mich wie ein Fels in der Brandung“

Milads Eltern waren zunächst skeptisch, als sie hörten, dass er in Osnabrück studieren möchte. Ob es nichts gebe, das er in Bochum studieren könne, fragten sie ihn. Mehr noch als die Finanzierung eines Studiums in einer anderen Stadt bereitete ihnen die räumliche Trennung Sorge. „Für meine Familie  ist das ein wichtiger Aspekt“, erklärt Milad, „alle meine Freunde und Verwandten machen ihre Ausbildung nicht weit entfernt von Zuhause. Ich bin der erste aus meiner Familie, der nicht in der Nähe studiert.“ Milads Eltern betreiben eine Pizzeria in Bochum. Milad ist hier geboren und hat auf der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bochum sein Abitur mit einem Schnitt von 1,7 gemacht. Er spricht außer Deutsch noch vier weitere Sprachen: Farsi, Dari, Englisch und etwas Niederländisch. Milad hat die Schule immer Spaß gemacht, er war ein guter Schüler und hat sich nebenbei für das „Netzwerk Flüchtlinge Langendreer“ als Übersetzer engagiert. Als er kurz vor dem Abitur stand, hatte er ein Problem: „Die meisten in meiner Stufe wussten schon lange, was sie nach dem Abitur machen möchten. Ich nicht. Ich hatte so viele Interessen, aber keine Idee, was ich damit anfangen soll und was für mich das Richtige ist.“

Wichtige Informationen für wichtige Entscheidungen

Milads Eltern kannten NRW-Talentscout Judith Quester von der Hochschule Bochum. Sie kontaktierten sie und baten um ein Gespräch mit ihrem Sohn. „Nach diesem Treffen hatte ich das Gefühl, dass ich endlich an Informationen kam, die mir in der Entscheidung, was nach dem Abitur kommt, weiterhalfen. Ich war total begeistert“, erinnert sich Milad. Von da an traf er regelmäßig seinen Talentscout. Es ging darum herauszufinden, was der richtige Weg nach der Schule für ihn sein könnte. „Ich wusste, dass ich gerne studieren möchte, aber nicht was und wie. Meine Eltern haben mich unterstützt, aber wie ich das Richtige für mich finde und wie ein Studium funktioniert, da konnte ich nicht auf Expertise hoffen. Mein Talentscout hat mir neue Türen geöffnet.“

Ein Studiengang, der die verschiedenen Interessen zusammenbringt

Am meisten Spaß hat Milad in der Schule das Fach Sozialwissenschaften gemacht. Das politische Geschehen, Diplomatie die Europäische Union findet er spannend. Das lieferte einen Ansatz im Talentscouting. Zusammen mit seinem Talentscout hat er unterschiedliche Studiengänge recherchiert und verglichen. Erst in der Nähe, dann wurde der Suchradius erweitert. Milad fand heraus, dass er Politikwissenschaften am spannendsten findet. „European Studies war ein interdisziplinärer Studiengang, der meine verschiedenen Interessen zusammenbrachte. Dort sah ich mich, dort wollte ich hin“, erzählt er begeistert. Er bewarb sich mit Unterstützung seines Talentscouts bei mehreren Hochschulen und bekam auch prompt mehrere Zusagen für seinen Traumstudiengang. „Ich war überglücklich, dass es geklappt hat und ich mir den Studienort sogar aussuchen konnte.“ Er entschied sich, in Osnabrück European Studies und im Nebenfach Jura zu studieren. Das bedeutete aber auch, dass er zu Hause ausziehen musste.

Stolpern ist okay

Das Studium und der Ortswechsel waren ein großer Schritt für Milad und warfen neue Fragen auf, die er mit seinem Talentscout besprechen konnte. Wo kann man günstig wohnen? Wie bekommt man finanzielle Unterstützung? Was ist, wenn ich mal eine Prüfung nicht bestehe? Judith machte ihm Mut und erklärte ihm, dass eine neue Lebenssituation ungewohnt ist, aber auch einen zusätzlichen Reifeprozess bedeutet. Mittlerweile ist Milad im fünften Semester und glücklich mit seinem Studium. In den ersten Monaten des Studiums war der Kontakt zum NRW-Talentscouting sehr intensiv. Er wusste, dass er die richtige Wahl getroffen hatte, trotzdem gab es auch einige Tiefs. Als er das erste Mal einen Vortrag an der Universität halten musste, hatte er plötzlich Zweifel an seinen Präsentationen. „Judith sagte mir, dass Stolpern okay sei, dass es trotzdem weitergehe. Sie hat mir Kurse und Präsentationsübungen empfohlen. Die mentale Unterstützung hat mir sehr geholfen. Mein Talentscout ist für mich wie ein Fels in der Brandung, zu dem ich immer kommen kann.“

„Als ich die Zusage für das Stipendium las, war ich wie auf Wolke Sieben“

Milads Studium verläuft sehr gut, so dass er sich nebenbei sozial engagieren kann. Schon seit dem ersten Semester ist er Mitglied der Hochschulgruppe AEGEE – European Students‘ Forum, die sich um die Integration ausländischer Studierender in Osnabrück kümmert. Ein Jahr lang war er sogar Präsident der Ortsgruppe. Er engagiert sich bei UNICEF und ist ehrenamtlicher EU- und Asylkurs-Trainer bei der Schwarzkopf-Stiftung. Sein Talentscout hatte ihn über die Möglichkeit des Engagements informiert. Regelmäßig geht er an Schulen und gibt Workshops zu politischen Themen. Milad konnte auch ein Praktikum bei der deutschen Vertretung der EU-Kommission in Berlin machen. Während dieses Praktikums kam die Zusage für ein Auslandsstipendium der Deutsch-Amerikanischen Fulbright-Kommission. Sein Talentscout hatte ihm vorgeschlagen, sich dafür zu bewerben und ihn im Bewerbungsprozess unterstützt. Milad konnte vier Wochen an einer privaten Universität in Texas studieren. „Als ich die Zusage las, war ich wie auf Wolke Sieben. In den USA konnte ich dann viel über die amerikanische Gesellschaft lernen, die mexikanische Grenze besuchen und mit der border patrol sprechen.“

Diese Erfahrung hat Milad sehr beeindruckt, so dass er in wenigen Wochen ein Auslandssemester an der University of Auckland in Neuseeland beginnen wird. Da die Universität nicht im Partnerprogramm seiner Hochschule ist, hat ihn bei der Bewerbung das NRW-Talentscouting unterstützt. „Das Talentscouting hat mir den Rücken gestärkt. Viele Entscheidungen hätte ich ohne meinen Talentscout nicht treffen können, da bin ich mir sicher. Nach dem Auslandssemester und meinem Bachelor möchte ich unbedingt den Master machen“, sagt Milad entschlossen, „Und irgendwann habe ich vielleicht die Möglichkeit, Dinge zum Positiven zu verändern, um Menschen das Leben zu erleichtern.“

Stand: Februar 2019

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