Wer ist eigentlich dieser Talentscout?

Seit 2016 ist Harry Barduhn Talentscout an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen. „Die Zeit der beruflichen Orientierung kann mitunter verwirrend sein. Als Talentscout ist mir neben einer fundierten fachlichen auch die emotionale Begleitung junger Menschen wichtig. Ich möchte dem großen Schritt, die eigene Zukunft zu planen, etwas den Druck nehmen und Talente unterstützen, Entscheidungen reflektiert und bewusst zu treffen“, sagt der Diplom-Sozialarbeiter und zweifache Vater. Im Team mit fünf weiteren Talentscouts begleitet er Talente von Schulen aus dem nördlichen Ruhrgebiet bei ihrem Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung oder in ein (duales) Studium und darüber hinaus. Und das mit Herzblut.

Im Gespräch mit Harry Barduhn, NRW-Talentscout an der Westfälischen Hochschule

Harry, welche Eigenschaften braucht man für die Tätigkeit als Talentscout?

Das sind sicherlich einige. Wir Talentscouts im Team der Westfälischen Hochschule haben verschiedene berufliche Hintergründe und Persönlichkeiten. Das ist auch gut so, denn auch die Talente sind alle unterschiedlich. Für mich sind Neugier und Begeisterungsfähigkeit wichtige Eigenschaften. Ich finde es immer wieder großartig, Talente kennenzulernen, von ihren Wünschen und Plänen zu erfahren oder sie gemeinsam mit ihnen zu entdecken und passende Angebote zu machen. Sich zu begeistern und groß zu denken ist wichtig. Auch Empathie spielt eine Rolle. Es gehört aber auch immer dazu, Talenten realistische Perspektiven aufzuzeigen. Mit der nötigen Ernsthaftigkeit aber auch mit Humor. Für junge Erwachsene ist Zukunftsplanung ein großes Thema. Das kann bisweilen einen Druck erzeugen, der gar nicht nötig ist. Etwas Leichtigkeit in diesen Entscheidungsprozess zu bringen, kann dazu beitragen, dass Talente reflektiert und bewusst den nächsten Schritt in Angriff nehmen können.

Du begleitest seit Jahren viele Jugendliche und junge Erwachsene in einer Lebensphase, in der sie wichtige Entscheidungen für ihre Zukunft treffen. Fiel es dir als Jugendlicher leicht, die Weichen für deine Zukunft zu stellen?

Für mich war Zukunftsplanung als Jugendlicher herausfordernd, mein Weg zum Ziel war etwas holprig. Ich habe auf einem naturwissenschaftlichen Gymnasium in Rheine im Münsterland mein Fachabitur gemacht. Berufsorientierung gab es damals nur ansatzweise. Ich interessierte mich für Fotografie, auch eine Tischlerausbildung klang für mich interessant. Aber ich hatte wenig Gelegenheit, mich auszuprobieren und fühlte mich nicht kreativ genug. Der soziale Bereich interessierte mich auch. Ich hatte als Jugendlicher viel Zeit in einem Jugendzentrum verbracht und mich dort auch ehrenamtlich in der Jugendkulturarbeit engagiert. Aber ein Studium konnte ich mir damals nicht vorstellen, da die Oberstufenzeit für mich nicht nur von Erfolg gekrönt war. Nach dem Zivildienst und einem Praktikum in der Altenpflege habe ich dann eine Berufsausbildung als Bauzeichner begonnen, obwohl ich merkte, dass mir der soziale Bereich liegt. Ich traute mir ein Studium einfach nicht zu. Schnell wurde mir klar, dass der Beruf des Bauzeichners nicht zu mir passt. Ich habe all meinen Mut zusammengenommen, mich um einen Studienplatz in Sozialer Arbeit beworben, ihn bekommen und nach den ersten Erfolgen wusste ich: Hier bin ich richtig. 

Hat dich jemand in dieser Zeit der Orientierung unterstützt?

Meine Eltern haben mich unterstützt, aber als Jugendlicher kann man ja manchmal das, was die Eltern sagen, nicht für sich annehmen. Mit den richtigen Impulsen von außerhalb der Familie hätte ich wahrscheinlich Entscheidungen sicherer und selbstbewusster treffen können.

Worauf achtest du besonders in deiner Arbeit mit Talenten?

Ich mache meine Arbeit aus Überzeugung und mit Herzblut. Meine eigenen Erfahrungen spielen da bestimmt eine Rolle, treten aber in den Hintergrund. Als Talentscout begleite ich die Bildungsbiografie junger Menschen. Das ist eine große Verantwortung. Ich finde es wichtig, immer in diesem Bewusstsein zu handeln und deshalb vom Talent aus zu denken. Ich berate Talente fachlich und unterstütze sie auch emotional. Man kann Entscheidungen nur reflektiert und bewusst treffen, wenn man sich auch etwas zutraut und Mut hat. Die langfristige Begleitung von Talenten finde ich einen wichtigen Aspekt. Wenn eine neue Etappe im Leben beginnt – aber auch zwischendurch – können immer mal wieder Unsicherheiten entstehen, oder es kommen Fragen auf. Meine Kolleg*innen und ich sind dann als Ansprechpartner*innen da, sind kurzfristig und unkompliziert erreichbar. Auch und besonders jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie sind wir als Talentscouts immer ansprechbar per Telefon, E-Mail, Video Call, Instagram, WhatsApp – auf Kanälen, die junge Menschen nutzen. Und wenn möglich natürlich auch persönlich.

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