Talent Büşra im Porträt

Während der Schulzeit war sich Talent Büşra unsicher, welcher Beruf zu ihr passt. „Über meinen Talentscout kam ich zu all dem, was ich heute habe“, sagt Büşra. Als angehende Lehrerin möchte sie Jugendlichen Mut machen und Perspektiven für einen erfolgreichen Bildungsweg aufzeigen. Das in der Weiterbildung zum Talentscout erworbene Handwerkszeug ergänzt ihren professionellen Blick auf Schüler*innen in ihrem Berufsalltag.

Vom Talent zur Talentförderin

Es ist 2014, Büşra ist in der 11. Klasse, als sie das erste Mal vom NRW-Talentscouting hört. In ihrer Schule, der Gesamtschule Gelsenkirchen-Horst, fällt ihr ein Aushang auf. Sie wird neugierig und vereinbart einen Termin mit Talentscout Stefanie Strozyk von der Westfälischen Hochschule. „Ich habe mich trotz meiner guten Noten nie für besonders talentiert gehalten, aber ich war fleißig und habe schon länger nach Fördermöglichkeiten gesucht. Ich wollte die Chance ergreifen und mein Netzwerk ausbauen“, sagt Büşra. Das Treffen mit Talentscout Stefanie begeistert Büşra und sie trifft sie fortan regelmäßig. „Ich war so glücklich. Es war für mich nicht selbstverständlich, dass sich jemand so viel Zeit nimmt, mir zuhört und mit mir über meine Wünsche und Ziele spricht. Ich habe direkt meinen Mitschüler*innen davon erzählt, viele haben sich auch für das Talentscouting angemeldet.“

Engagiert in der Schule und im Jugendrat

In ihrer Schule fühlt Büşra sich wohl und von den Lehrer*innen unterstützt. Ihr Lieblingsfach ist Philosophie. Auch zuhause liest sie gern antike Texte, z. B. von Platon. Sie ist die jüngste von fünf Geschwistern. Ihre Mutter ist Hausfrau, ihr Vater war Bergmann und ist heute im Ruhestand. „Ich bin stolz, ein Bergbaukind zu sein“, erzählt Büşra, „das ist typisch Ruhrgebiet und ein Teil von mir.“ Sie spielt Trompete und Klavier, engagierte sich in der Schülervertretung ihrer Schule und im Jugendrat der Stadt Gelsenkirchen.

Angebote und Chancen nutzen

Dass sie mit ihrem Talentscout Stefanie nun jemanden an der Seite hat, die sie, wenn sie es möchte, auch über die Schule hinaus begleiten wird, motiviert Büşra, sich noch intensiver Gedanken über ihre Zukunft zu machen. „Ich wusste zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht, wo ich beruflich hinmöchte. Das hatte auch mit meiner familiären Situation zu tun. Meine Eltern hatten sich vorgestellt, dass ich Ärztin oder Rechtsanwältin werde. Das waren aber nicht meine Interessen. Mein Talentscout hat mich wahrgenommen wie ich bin, geschaut, was ich an Stärken mitbringe, meine Wünsche ernst genommen und mir entsprechende Angebote gemacht, die ich genutzt habe“, sagt Büşra. Von Stefanie erfährt sie, dass es an der Ruhr-Universität Bochum eine Schüler-Uni gibt, gemeinsam suchen sie Veranstaltungen raus, die Büşra besucht. „Ich wusste nicht, dass ich in Studiengänge reinschnuppern kann“, sagt sie, „Ein Studium hat mich interessiert, weil mir Lernen schon immer Spaß gemacht hat, aber eine große Hürde war für mich auch die Finanzierung“.

Erfolg bei der Bewerbung

Als ihr Berufswunsch, Lehrerin zu werden, feststeht, ermutigt sie ihr Talentscout, sich rechtzeitig um ein Stipendium zu bewerben und unterstützt sie bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen. „Nicht nur der finanzielle Aspekt war interessant, als ich von dem ideellen Förderprogramm hörte, stand für mich fest, dass ich mich bewerbe.“ Mit Erfolg. Dank ihres Abi-Schnitts von 1,3 und ihres sozialen Engagements ist Büşra seit 2016 Stipendiatin des Avicenna-Studienwerks und studiert Philosophie und Germanistik auf Lehramt an der Universität Duisburg-Essen.

Gefördert und gefordert

Das ungewohnte Umfeld und die Neuorganisation ihres Lebens waren eine Herausforderung für die engagierte Gelsenkirchenerin. „Ich habe Kontakt gehalten zu meinem Talentscout, die mentale Unterstützung war wichtig für mich. Durch das Talentscouting bin ich reifer und selbstbewusster geworden und habe mich durch das erste Semester gekämpft. Mittlerweile fühle ich mich an der Uni zuhause.“ Von ihrem Talentscout erfährt sie auch von der Möglichkeit eines Auslandssemesters. „Steffi hat mir Türen geöffnet, die ich vorher überhaupt nicht gesehen habe“, sagt sie. Ihr Stipendienwerk finanziert ihr ein Semester in Australien. „Das war ein Traum von mir und eine tolle Erfahrung. Ich hätte nie gedacht, dass ich wirklich mal alleine ins Ausland gehe.“

Stolz auf das Erreichte

Im Studium ist Büşra erfolgreich und engagiert. Ihre Noten sind sehr gut, sie arbeitet als studentische Hilfskraft und Tutorin, zeigt interessierten Talenten ihren Fachbereich und berichtet über ihre Erfahrungen als Stipendiatin. Vor kurzem hat sie die Weiterbildung zum NRW-Talentscout am NRW-Zentrum für Talentförderung durchlaufen. „Ich habe so sehr von der Talentförderung profitiert und möchte nun auch Jugendliche unterstützen ihren Weg zu gehen. Der stärkenorientierte Blick und das Wissen über die Techniken und Instrumente der Talentförderung sind eine wichtige Ergänzung zu meinem Studium. Besonders interessant fand ich das Thema Gesprächsführung und die Informationen zum deutschen Schulsystem. Mein Talentscout hat vor Jahren gesagt: Vielleicht bist du auch irgendwann Talentscout. Damals habe ich gelacht, heute bin ich stolz auf das, was ich schon erreicht habe.“ Büşra möchte nach ihrem Studium mit Schüler*innen arbeiten, die ihre Potenziale noch nicht voll entfalten konnten, vielleicht im nördlichen Ruhrgebiet.

Stand: Oktober 2020

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